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nächstes Konzert:

Sonntag 9. April 2017, 17:00

Klosterkirche St. Urban

Kathrin Hottiger, Sopran; Alexandra Busch, Alt; Michael Mogl, Tenor; Henryk Böhm, Bariton; Kammerchor Konolfingen; Barockorchester Allegria Musicale (Konzertmeister Andreas Heiniger); Mona Spägele, Leitung

„Der Tod Jesu (1755)“ Passionsoratorium von Georg Philipp Telemann (1681-1767)

Vorverkauf  http://kammerchor-konolfingen.ch

 

2017 jährt sich Georg Philipp Telemanns Todesjahr zum 250. Mal . Grund genug, diesen unbekanntesten unter den bekannten deutschen Barockkomponisten neu zu entdecken. Wir freuen uns, zu diesem Anlass eines seiner grossen späten Vokalwerke in St. Urban aufzuführen. Das Jubiläumsjahr wird hoffentlich dazu beitragen, Telemann aus dem Schatten seiner heutzutage viel berühmteren Zeitgenossen wie Bach und Händel ans Licht zu holen und auch seinen grossen oratorischen Werken die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

„Der Tod Jesu“, ein Passionsoratorium nach dem Text von Karl Wilhelm Ramler, gehört in eine Reihe wunderbarer Alterswerke Georg Philipp Telemanns. Seine Musik grenzt sich mit ihrer charakteristischen Herbheit , vom damals schon verbreiteten modernen, «empfindsamen Stil» ab. Sie ist voll von überraschender, ja drastischer Harmonik, expressiv und dramatisch in der Gestaltung der Soli und – trotz sparsamer Instrumentation – voller unerhörter Klangbilder. Einen ergänzenden Gegensatz dazu bieten schlichte, eindringliche Choräle und kommentierende Chöre bis hin zum ergreifend innigen Schlusschor.

AL GUSTO NAPOLETANO
Mittwoch 15.März 2017, 20:00
Saal Schloss Thunstetten
Programm:
Alessandro Scarlatti (1660-1725): Concerto IX a- moll, flauto, due violini e basso
Domenico Scarlatti (1685-1757)
Sonate d-moll, violino e basso
Domenico Scarlatti Sonata K239: f- moll
Francesco Mancini (1672-1737): Sonata VI B- Dur per flauto e basso
Domenico Scarlatti Fandango : d-moll
Francesco Mancini Sonata VI: d-moll; flauto, due violini e basso
Domenico Gallo (1730-1767): Triosonate G-Dur, Opus 12/1,
due violini e basso
Padre Antonio Soler 1729-1783): Sonata 2, Es -Dur
Francesco Barbella (1692-1732): Concerto III, C-Dur, flauto, due violini e basso
Ausführende:
Sabina Weyermann, Blockflöte
Andreas Heiniger, Violine
Nuria Rodriguez, Violine
Bernhard Maurer, Violoncello
Rainer Walker, Cembalo

Eintritt 28.-

Platzreservation empfohlen unter der Nummer 079 319 13 81

Alessandro Scarlatti, der Padrone aus Napoli, für viel
e Komponisten der damaligen Zeit
der einzige Grund, die anstrengende Reise nach Napoli auf sich zu nehmen um
bei ihm zu lernen. Domenico Scarlatti, der Figlio, geht
seinen eigenen Weg, lernt auf der iberischen Halbinsel
die dortige Volksmusik kennen und ist seinerseits Inspirator
für Musiker und Tonsetzer aus ganz Europa. Ergreifende Musik, von purer
Lebensfreude bis abgrundtiefer Trauer geprägt, zuweilen überbordend und                                  wild gestikulierend, tausend musikalische Einfälle und
eben so viele Schattierungen menschlicher Leidenschaften
.
Alessandro Scarlatti (1660-1725) wirkte als Kapellmeister und
Komponist in Rom, Florenz und Neapel. Seine
grosse Leidenschaft für Opern spiegelt sich auch in den
Instrumentalwerken wieder. Seine Aufgabe als
Komponist sah er darin, die menschlichen Leidenschaften
mit all ihren Schattierungen in Musik auszudrücken.
Viele Komponisten nahmen bei ihm Unterricht, unter ander
em Georg Friedrich Händel und Johann Adolf Hasse.
Einer seiner letzten Schüler in Napoli war der deutsche Flötist
und Komponist Johann Joachim Quantz. Es ist
anzunehmen, dass 1725 zu diesem Anlass oder auf seine Anregung
das „Manoscritto Di Napoli“ für Flöte und
Streicher entstanden ist. Aus diesem grossen Fundus werden
drei Konzerte von unterschiedlichen Komponisten
in unserem Konzert zur Aufführung gebracht. Erstaunlich ist dieses
Manuskript auch deshalb, weil darin die
namhaftesten und einflussreichsten Komponisten aus Napoli vertreten
sind. Dass sie sich nicht nur freundschaftlich gesonnen waren, kann man sich bei
folgendem Tatbestand ausmalen: Mehrmals versuchte
Francesco Mancini (1672-1737) die Hofkapellmeisterstelle
von Alessandro Scarlatti in Neapel zu übernehmen.
Dies gelang ihm auch für kurze Zeit – er musste die Stelle
aber bereits nach einem Jahr wieder abgeben. Nach
dem Tod von A. Scarlatti konnte er den begehrten Posten
„erben“.
Bekannt sind heute vor allem Mancini’s zwölf Blockflötensonat
en. Der Komponist war ab 1720 auch „primo maestro“ am
Conservatorio San Maria di Loreta“, wo Francesco Barbella (1692-1732)
als Dozent für Streichinstrumente wirkte.
In die Geschichte von Erben passt auch diejenige der Triosonaten
von Domenico Gallo (1730-1767), erst 1940
konnten sie eindeutig dem später geborenen, in unserer und wohl
auch zur damaligen Zeit unbekannten Komponisten zugeordnet werden.
Die 1780 in London herausgegebenen Werke wurden, um einen
Verkaufsschlager zu erzielen, dem 1737 verstorbenen und renommierten
Komponisten Giovanni Battista Pergolesi zugeschrieben, der in Neapel bei Scarlatti und
Mancini studierte: ein erschlichenes Erbe..
..
Ein richtiger Erbe von Alessandro Scarlatti ist dessen Sohn Domenico
Scarlatti (1685- 1757). In frühen Jahren stand er in Florenz gemeinsam
mit seinem Vater in Diensten von Ferdinando di Medici.
1719 führten ihn seine Wege nach Lissabon an den dortigen Hof, wo er als
Musiklehrer und Hofkapellmeister tätig war. Als Lehrer der
Prinzessin Maria Barbara wechselte er nach ihrer Heirat
mit Ferdinand VI zuerst nach Sevilla. Dort lernte er die
Musik der Roma kennen, in einer Cembalosonate ist dieser Einfluss
besonders deutlich: dem „Fandango del
Signor Scarlatte“. Der Ruhm von Domenico Scarlatti beruht hauptsächlich
auf seinem umfangreichen Cembalowerk, das er nach der Übersiedlung
nach Madrid verfasste. Am selben Hof war auch der deutlich jüngere
Padre Antonio Soler (1729-1783) als Lehrer für Tasteninstrumente angestellt.
Man kann sich die gegenseitige Inspiration der beiden Tastenkünstler bestens vorstellen. Wie sein Vater zwei Jahrzehnte früher in Neapel war
Domenico auch in Madrid nicht alleine zuständig für
die musikalischen Angelegenheiten am Hofe, sondern in ständigem Austausch
und wohl auch in Rivalität mit anderen
Musikern und Komponisten.
So handelt dieses Konzert von Erben: musikalischen, erschlichenen,
ausgeschlagenen- mehr noch von gegenseitiger Inspiration, Ansporn zu Höchstleistungen, kollegialem Austausch, Rivalitäten, Neid, Ideenklau- und
vor allem von Spielfreude, Witz, tausend musikalischen
Einfällen und eben so vielen Schattierungen von
Leidenschaften und menschlichen Empfindungen.
Kurzbiografien der beteiligten Musikerinnen und Musiker:
SABINA WEYERMANN Blockflöte.
Die in Leimiswil, Kanton Bern aufgewachsene Musikerin
studierte nach dem LehrerInnenseminar in Langenthal
an der Schola Cantorum Basiliensis Blockflöte bei Katharina Bopp
Becking und erwarb 2004 das Lehrdiplom SMPV.
Gleichzeitig studierte sie Barockoboe bei Michel Piguet und Carole Wiesmann.
Weitere wichtige Impulse erhielt sie im Unterricht von Katharina Arfken und
Conrad Steinmann. Sie wirkt in verschiedenen
Barockorchestern und Kammermusikformationen mit:
Die Freitagsakademie, cantus firmus Solothurn, collegium
musicum Biel, Allegria musicale, La Visione, musica poetica freiburg,
Bach Collegium Zürich, Abendmusik Predigerkirche Basel, Schaffhauser Barockensemble und anderen. Neben ihrer Konzerttätigkeit mit Barockoboe
und Blockflöte unterrichtet Sabina Weyermann an den Musikschulen Oftringen und Langenthal. SabinaWeyermann ist Mitinitiantin und Präsidentin des 2016
gegründeten Vereins Grenzklang – Konzerte für Alte
Musik – und wohnt mit ihrer Familie in Melchnau.
ANDREAS HEINIGER Barockvioline
Lehrdiplom moderne Violine bei Christine Ragaz (Biel/Schweiz).
Anschliessend Barockviolinstudium in London
bei Rachel Podger. Weitere wichtige Impulse erhielt er
unter anderem durch John Holloway, Stanley Ritchie,
Anne Schumann und Maya Homburger. Andreas Heiniger wirkt
in verschiedenen Orchestern auf historischen
Instrumenten mit (cantus firmus, Allegria musicale, collegium
musicum Biel, Ensemble Turicum, La Visione,
Concerto imperiale u.a.m.), zudem rege Kammermusiktätigkeit
als Barockgeiger. In jüngerer Zeit ist er vermehrt
auch als Dozent für Barockvioline und Ensemble tätig, so seit
2005 an der Herbstakademie für alte Musik in Maguzzano (Italien),
und 2007 bis 2014 im Kurs für historische Aufführungspraxis des Laufener
Barockensembles (Deutschland). Leitung und Organisation diverser Kurse für Barockvioline/Barockorchester
auch in der Schweiz. 2007 Einspielung einer CD mit Musik für Violinen ohne
Bass mit dem von ihm gegründeten Barockensemble Il concerto spirituoso.
Andreas Heiniger unterrichtet Violine und Viola an der Oberaargauischen Musikschule Langenthal. Er leitet dort ebenfalls das Streichorchester der Mittelstufe. Er ist
Mitinitant des Vereins „Grenzklang- Konzerte für Alte
Musik“. Die Verbindung eines hohen Qualitätsanspruchs mit unverkrampfter Musizierfreude ist ihm in seiner künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit
ein zentrales Anliegen.
NURIA RODRIGUEZ; VIOLINE
studierte Violine bei Christine Ragaz (Lehrdiplom)
an der Hochschule der Künste Bern und Thomas Füri (Konzertdiplom)
an der Musik- Akademie der Stadt Basel. Wichtige musikalische Impulse
erhielt sie ausserdem von Max Flückiger, Gilles Golliard, Eszter
Haffner, Rachel Podger, Itamar Golan und Gérard Wyss.
Nuria Rodriguez tritt regelmässig in Kammermusik- und Orchesterformationen
auf, ist Konzertmeisterin des Stadtorchesters Langenthal und leitet das
Kammerensemble Langenthal. Sie unterrichtet Violine und Viola an
der Oberaargauischen Musikschule Langenthal.
BERNHARD MAURER, BAROCKCELLO
Bernhard Maurer absolvierte seine Studien in Bern, Berlin und Basel.
Einige Jahre war er im Berner Sinfonieorchester und als Assistent an der
Schola Cantor um Basiliensis tätig. Er hat sich intensiv mit der
historischen Aufführungspraxis auseinandergesetzt und war
während 20 Jahren künstlerischer Leiter des Barockensembles
„Die Freitagsakademie“. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind
Improvisation und die Musikpädagogik. Heute wirkt er als freischaffender
Musiker, Lehrer an der Musikschule Köniz uund am
Gymnasium und als Leiter von pädagogisch- künstlerischen
Musikprojekten und Improvisationskursen.
RAINER WALKER, CEMBALO
Seit 2015 ist Rainer Walker Hauptorganist der berühmten
Bossard-Orgel in der ehemaligen Klosterkirche St.
Urban. Die Orgel ist das Hauptinstrument dieses Musikers. Nach Studien in
Bern und Fribourg erreichte er das Lehr- und das Konzertdiplom.
Heute pflegt Walker ein breites Repertoire, das von Renaissancemusik bis zu
zeitgenössischer Orgelmusik reicht. Bearbeitungen von Opernouvertüren, frei interpretierte Tänze und thematisch inspirierte Improvisationen erweitern das
Repertoire. Rainer Walker ist Mitinitaint des
Vereins „Grenzklang- Konzerte für Alte Musik“
Walker leitet seit 2005 die Musikschule in Langenthal.
Er ist zudem Realisator von Opern- und Oratorien-Projekten in verschiedenen Kontexten.